Tiergehege geht vor Spielplatz
Umwelt

Darmstädter Vivarium landet bei Zoo-Test weit hinten / Zu wenig Geld für Sanierung

 

VON CLAUDIA HORKHEIMER 


Die Pfauen stolzieren gerne frei durchs vier Hektar große Gelände und flattern hin und wieder auch hoch auf die Bäume. Ihre Schreie hallen durchs ganze Vivarium. So gut wie ihnen geht es jedoch nicht allen Tieren in Darmstadts Tierpark. Die Mehrheit der 700 Tiere lebt in mehr oder weniger großen, mehr oder weniger natürlich gestalteten Gehegen, Terrarien oder Aquarien.

"In den Bereichen, wo wir neue und zeitgemäße Gehege gebaut haben, werden wir gut bewertet, wie beispielsweise beim Känguru-Gehege und den Binturong" (Schleichkatzen), sagt Vivariumsleiter Thomas Becker und reagiert damit auf einen Zoo-Test des Magazins "Der Stern".

 

50 Zoos im Test
   
Dabei wurden deutschlandweit 50 Zoos getestet. Darunter auch 21 Kleinzoos, von denen das Vivarium den 18. Platz erreichte und immerhin eine Gesamtnote von 2,6 ("passabel" erhielt. Zum Vergleich: In der Rubrik große Zoos bekam der Frankfurter Zoologische Garten Note 1,9 ("sehenswert") und der Heidelberger Zoo eine 2,2 ("noch gut"). Als "ärgerlich" wurde der Besucherservice eingestuft. Hier fiel der Kinderspielplatz (Note 4) und der vom Ehrenamt Darmstadt betriebene und nur an Wochenenden und in den Ferien geöffnete Souvenirshop (Note 5) negativ auf. Punkten konnte das Vivarium dagegen mit seiner Gastronomie und den Toilettenanlagen.

Wenn Becker jedoch vor der Wahl steht, ob er den Kinderspielplatz oder die Tiergehege ausbaut, dann falle die Entscheidung klar für die Tiere, sagt der Tierarzt. Trotzdem sei das Stern-Ergebnis noch einmal eine Anregung für ihn, genau hinzuschauen.

 

Finanzielle Situation problematisch

 

Problematisch ist laut Pressesprecher Frank Horneff die finanzielle Situation des städtischen Unternehmens. Viele der Gebäude seien mehr als 40 Jahre alt. Allein das neue Haus für die Binturong habe 450 000 Euro gekostet. Ohne den Förderverein Kaupiana, der dafür 350 000 Euro gespendet habe, wären große Investitionen schwierig. Für 2008 sei ein Gesamtbudget von 940 000 Euro veranschlagt. Davon müssen jedoch auch Gehälter und laufende Kosten gezahlt werden. Trotzdem ist man im Vivarium bestrebt, die Tierhaltung Stück für Stück zu verbessern. "Wir schauen, wo wir am dringendsten etwas tun müssen. Das ist wie ein Mosaik", sagt Becker.

Derzeit wird das ehemalige Wildkatzengehege für die Nasenbären erweitert. Bis zum Winter sollen außerdem die Riesenschildkröten ein dreimal so großes Domizil wie bisher bekommen. In Planung ist laut Becker auch ein Anbau an die Aquarienhalle, in den die Krokodile einziehen sollen.

 

Erschienen Juli 2008 in "Frankfurter Rundschau"
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