Pädagogisches Reiten heilt
Umwelt

Tag des Pferdes beim Reitverein an der TUD

 

VON CLAUDIA HORKHEIMER 

Letzte Striegeleinheiten für die beiden Irish Tinker Max und Caruso, dann gehts los zur Vorführung: Schüler der Christoph-Graupner-Schule zeigen, was sie in mehreren Jahren Pädagogischem Reiten gelernt haben. Freihändig, stehend und liegend auf dem Pferd, drehen sie ihre Runden über den Reitplatz in der Dieburger Straße. Dorthin lud der Reitverein an der Technischen Universität Darmstadt gestern zum Tag des Pferdes ein.

Neben der Vorführung des heilpädagogischen Reitens wurden auch Dressur- und Springübungen gezeigt. In den Ställen des 300 Mitglieder starken Vereins stehen 45 Pferde. "Elf davon gehören dem Verein", sagt Vorstandsvorsitzender Volker Schultz. Caruso und Max sind zwei davon. Mit ihrer Hilfe lernen geistig und körperlich behinderte Kinder, sich zu bewegen, Körpergefühl und Selbstbewusstsein zu entwickeln sowie Ängste abzubauen.

 

230 Jahre alte Pferderasse

 

Die beiden weiß-schwarz-braun gescheckten Pferde mit den langen weißen Mähnen entstammen einer mehr als 230 Jahre alten Rasse, die von irischen Zigeunern für das Ziehen ihrer Planwagen gezüchtet wurde. Die Tiere mussten besonders geduldig sein und durften sich nicht aus der Ruhe bringen lassen. "Das sind Eigenschaften, die ein Pferd für das pädagogische Reiten mitbringen muss", sagt Trainer Axel Krause. Der Sport- und Musiklehrer trainiert mit behinderten Kindern seit 25 Jahren das Reiten und weiß um dessen positive Wirkung. Einmal hatte er einen Jungen, der weder laufen noch stehen konnte. Anfangs mussten ihn drei Erwachsene stützen, um ihn auf dem Pferd zu halten. "Nach zwei Jahren Reitunterricht machte der Junge seine eigenen ersten Schritte", erinnert sich Krause.

 

Etwa 16 Schüler der Christoph-Graupner-Schule, einer Förderschule für Behinderte, nehmen derzeit Reitunterricht bei Krause. Es gehört wie Schwimmen zum normalen Sportunterricht. Anfangs wackelig Die 17-jährige Jasmina reitet seit vergangenem Jahr. An ihre erste Stunde denkt sie mit gemischten Gefühlen: "Es war wackelig, und ich hatte Angst. Ich wollte nur noch runter", sagt sie. Doch heute sei das Reiten ganz normal für sie.

Auch wenn einige ihrer Mitschüler noch Hilfe brauchen, um auf die doch recht großen Pferde zu gelangen: Sind sie erst einmal oben, strahlen sie Selbstbewusstsein und Zuversicht aus. "Es ist eine besondere Erfahrung für Kinder, die sonst vielleicht nur im Rollstuhl sitzen, die Welt mal von da oben zu sehen", sagt Schulleiterin Gisela Kappacher und hilft, Caruso das Halfter anzulegen.

Auf körperlicher Ebene hat das Reiten eine entspannende und die Muskeln aufbauende Wirkung. "Im Schritt lockern sich die Muskeln, und beim Galopp werden sogar Endorphine ausgeschüttet", sagt Krause. Außerdem wichtig: die Wärme des Tiers zu spüren. Deshalb reiten die Kinder auch ohne Sattel.


Informationen: www.sporton.de/cms/reiterverein-tu-darmstadt

 

Erschienen Juni 2008 in "Frankfurter Rundschau"
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