Den Blüten auf der Spur
Umwelt

Pfungstadt Gabriele Wenzel beobachtet Pflanzenwelt für den Wetterdienst / Wichtig für Allergiker

VON CLAUDIA HORKHEIMER

 Blütenpracht (Quelle: C.Horkheimer)Primeln und Osterglocken gelten gemeinhin als Vorboten des Frühlings. Doch "diese Blümchen interessieren mich nicht", sagt die phänologische Beobachterin des Deutschen Wetterdienstes, Gabriele Wenzel. Die 50-Jährige beobachtet im Auftrag des Wetterdienstes schon ihr halbes Leben lang die Entwicklung von Pflanzen wie Haselnuss, Apfelbaum oder Holunder. Sie ist eine von 1320 Ehrenamtlichen in ganz Deutschland. Deren Erhebungen helfen dem Wetterdienst die phänologische Uhr und so die meteorologischen Jahreszeiten zu bestimmen.

 

Angefangen hat Wenzel damit 1983 in Darmstadt, wo sie Sport und Biologie studiert hat. Jetzt lebt und beobachtet sie seit 24 Jahren die Natur in der Gemarkung Pfungstadt und arbeitet daneben als Sportlehrerin an der Volkshochschule.

 

 

"Zu viel edles Grünzeug in den Gärten"

 

Ihre Beobachtung läuft streng nach Protokoll. 74 ausgewählte Pflanzen - chronologisch nach Blüte- beziehungsweise Fruchtzeit geordnet - muss Wenzel dabei im Blick behalten. Sie weiß, auf welche Pflanze sie zu welcher Jahreszeit achten muss. Wichtig dabei sei, dass es sich um die ursprünglichen Sorten handle, sagt Wenzel. Denn "die Leute haben heute viel zu viel edles Grünzeug in ihren Gärten." Die meisten Pflanzen, die sie für den Wetterdienst beobachten muss, findet Wenzel in ihrer Gemarkung. Doch einige, wie beispielsweise Huflattich, fehlen. "Der wächst eben nur auf felsigem Grund", sagt Wenzel. Um sich die Arbeit zu erleichtern hat sie auf einer Landkarte die Standorte der jeweiligen Pflanzen verzeichnet. Hier trägt sie auch ein, auf welchem Feld welche Frucht gesäht wird. Denn sie muss auch auf das Getreide achten.

 

Viele der Frühjahrspflanzen wie Hartriegel, Weide oder Schneeglöckchen hat sie in ihrem eigenen Garten angesiedelt - so hat sie sie immer im Blick. Sobald die ersten Forsythien blühen, meldet Wenzel das per Fax an die Außenstelle des Wetterdienstes nach Geisenheim. Der gelb blühende Strauch nimmt dabei eine besondere Rolle ein. Seine Blüte markiert den Beginn des meteorologischen "Erstfrühlings". Anhand der Austriebe und Fruchtstände bestimmt und korrigiert der Wetterdienst die phänologische Uhr, die das ganze Jahr abbildet.

 

Blütezeit nach vorne verschoben 

 

Nach den statistischen Auswertungen von Wenzels Beobachtungen hat sich die Blütezeit vieler Pflanzen in den vergangenen 25 Jahren zum Jahresbeginn hin verschoben. Forsythien blühen beispielsweise heute durchschnittlich 18 Tage früher als 1983. "In diesem Jahr blühten sie sogar schon am 24. Februar. 1983 war es der 29. März, sagt Wenzel. In diesem Jahr sei überhaupt alles viel früher. Das liege an dem milden Wintersagt die gebürtige Kölnerin. Von Januar bis Juni ist sie täglich eine Stunde in der Natur, denn im Frühjahr blühen bei weitem die meisten Pflanzen. Besonders wichtig ist ihre Arbeit auch für Allergiker. Wenzel schlägt Alarm, sobald sich die ersten Pollen bilden. Für ihre Tätigkeit bekommt sie lediglich 320 Euro Aufwandsentschädigung. Doch das tut ihrer Liebe zur Natur keinen Abbruch: "Ich mag Pflanzen einfach!"

Erschienen März 2008 in "Frankfurter Rundschau"
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