Stadt der Vegetarier
Umwelt

Laut einer Studie gehört Darmstadt zu den vegetarierfreundlichsten Städten Deutschlands / Immer mehr Menschen verzichten auf Fleisch

 

VON CLAUDIA HORKHEIMER

Darmstadt ist die vegetarierfreundlichste Stadt im Rhein-Main-Gebiet. In einer bundesweiten Umfrage der Tierrechtsorganisation Peta kam Darmstadt auf den neunten Platz, hinter Berlin, München, Hamburg, Köln, Dortmund, Fulda, Hannover und Leipzig. Ausschlaggebend war das Spektrum an Angeboten für Vegetarier wie Restaurants, Imbisse und Handel. Vor allem stachen das Restaurant Radieschen und das Café Habibi hervor.

 

"Es ist schon ungewöhnlich für eine relativ kleine Stadt wie Darmstadt, dass es so viele vegetarische Angebote gibt", sagt Peta-Kampagnenleiterin Tanja Breining. Zwar gibt es vegetarische Gerichte mittlerweile auf nahezu jeder Speisekarte. Doch rein vegetarische Restaurants, die zum Beispiel auch Veganes anbieten, sind vielerorts rar. Die Leute kommen aus Frankfurt, Heidelberg, Wiesbaden und Aschaffenburg - sogar aus Stuttgart, um im Eberstädter Radieschen zu essen, sagt Inhaber Norbert Walter. Die Mehrheit seien Frauen, etwa 85 Prozent. "Die sind ernährungsbewusster", meint der Koch. Doch die Zahl seiner männlichen Kunden wachse, besonders beim Mittagstisch, denn auch die würden sich zunehmend bewusster ernähren.

 

Gut in Darmstadt aufgehoben, was vegetarische Angebote anbelangt, fühlt sich auch Angelika Eckstein. Seit ihrer Kindheit isst sie kein Fleisch. "Man wird heute nicht mehr schief angeguckt", sagt die 29-Jährige. Als Ernährungswissenschaftlerin ist sie im Lektorat für den Darmstädter Pala- Verlag tätig, der auf Bücher zum Thema Ökologie spezialisiert ist und zahlreiche vegetarische Kochbücher mit Auflagen von bis zu 80 000 herausgibt. "Der Markt für vegetarische Kochbücher ist gut", sagt Geschäftsführer Wolfgang Hertling. Von dem Vorurteil, Vegetarier würden sich mangelhaft ernähren, hält Eckstein nichts. "Da fehlt gar nichts", sagt die Ernährungswissenschaftlerin. Man müsse nur auf einiges achten: Zum Beispiel viele Hülsenfrüchte, Vollkorngetreide und Nüsse zu essen. Die enthalten Proteine. Mehr Milchprodukte müssten nicht verzehrt werden. Auch sei eine rein vegane Ernährung - wenn sie vielseitig ist - kein Problem, außer bei Säuglingen und Kleinkindern.

 

Richtig vegetarierfreundlich gibt sich auch die Imbisskette Snack Point, die kürzlich in Darmstadt eine neue Filiale eröffnet hat und auf Würstchen mit scharfen Soßen spezialisiert ist: Zwar habe man keine vegetarischen Würstchen im Angebot, da sich das nicht lohne und sie im Einkauf zu teuer seien, sagt eine Mitarbeiterin aus einer Frankfurter Filiale. Jedoch könnten Vegetarier in allen Läden ihre Tofu-Würstchen mitbringen und bekämen diese dann gegrillt und gewürzt. Im Café Habibi gibt es neben kulinarischen Highlights, wie dem vegetarischen Döner, hin und wieder auch Filmvorführungen und Diskussionsrunden zum Thema.

 

Der Tierschutzgedanke hat auch im City Carree Einzug gehalten: Dort gibt es seit einiger Zeit eine so genannte "Einkaufsquelle" der Firma Gut zum Leben, die nur vegane Produkte aus eigener Herstellung anbietet. "Wir verkaufen nichts von Nutztieren, weil wir Tiere nicht ausbeuten wollen", sagt Verkäuferin Heike Jacobsson. Auf die religiöse Organisation Universelles Leben angesprochen, die sich zuletzt durch Plakataktionen und Demos für Tierrechte und Veganismus ins Gespräch brachte, sagt Jacobsson, mit der habe man nichts zu tun, auch wenn einige der Verkäufer ihr angehörten.

 

Die Zahl der Vegetarier in Deutschland ist in den vergangenen 25 Jahren drastisch gestiegen. Gaben 1983 nur 0,6 Prozent der Bevölkerung an, sich so zu ernähren, waren es 2007 laut einer Umfrage des Stern schon 11 Prozent. "Vegetarier sind heute keine Sonderlinge mehr", sagt Thomas Schönberger, Vorsitzender des deutschen Vegetarierbunds. Auch der jährliche Fleischkonsum pro Kopf sank seit 1988 von 70 auf 60 Kilogramm. Die Gründe dafür sind laut Schönberger vielschichtig: "Es ist modern, gesundheits- und ökologiebewusst zu essen. Dazu kommen ethische und tierschutzrechtliche Aspekte."

 

Erschienen Mai 2008 in "Frankfurter Rundschau"
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Meer Quelle: C. Horkheimer)

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