Willkommen, Kollege Hund
Umwelt
Darmstadt-Dieburg Zwölf südhessische Firmen beteiligen sich am ersten Schnuppertag
 
VON CLAUDIA HORKHEIMER

Tino Schnuppertag Kollege Hund (Quelle: C. Horkheimer)Tequila ist Empfangschef bei Alexander Werbetechnik in Habitzheim (Otzberg). Am liebsten liegt die Bulldogge jedoch im Schaufenster und verschmilzt mit der Dekoration. Der schwarzhaarige Rocco hat sogar ein eigenes Türschild im Büro des Darmstädter Steuerbüros Dächert. Die Terrier Rocky und Vicki im Behindertenzentrum Roßdorf "gehören mittlerweile zur Belegschaft", sagt ihr Frauchen, Geschäftsführerin Daniela Rothstein. Mal besuchen sie die Behinderten in ihren Zimmern, mal tollen sie über die Grünflächen vor dem BHZ.

Nicht alle Hunde dürfen regelmäßig mit zur Arbeit. Für die meisten Hundebesitzer ist es ein Problem, Beruf und Hund zu verbinden und viele Tierfreunde verzichten deshalb ganz auf die Anschaffung eines Vierbeiners. Schade, denn die Tierheime sind voll von heimatlosen Hunden. Deshalb hat der Deutsche Tierschutzbund jetzt den bundesweiten tierischen Schnuppertag "Kollege Hund" ins Leben gerufen. An diesem Tag waren Unternehmen aufgerufen, ihre Arbeitsstätten für Vierbeiner zu öffnen. In den USA gibt es solche Tage bereits seit neun Jahren, weltweit beteiligen sich etwa 10 000 Firmen an derartigen Aktionen.

"Wir wollen damit zeigen, dass es überhaupt kein Problem ist, Hunde mit auf die Arbeit zu nehmen", sagt Ute Heberer, Vorsitzende des Odenwälder Tierschutzvereins Tiere in Not (Tino), der den Schnuppertag im Landkreis Darmstadt-Dieburg durchführte. Ganz im Gegenteil: Hunde seien für das Betriebsklima förderlich. Die Leute kämen schneller ins Gespräch, die Atmosphäre werde aufgelockert. Auch bei Kundenkontakt gebe es nur positive Reaktionen.

Und wie steht's mit Schmutz und Allergien? Kein Problem: "Wo Tiere sind, gibt es weniger Allergien", sagt Heberer. Außerdem könne man sich zwischendurch ja die Hände waschen. Voraussetzung sei, dass der Hund eine Grunderziehung habe. "Niemand braucht eine bellende Töle", sagt Heberer. Doch gerade das alltägliche Zusammensein, "wenn der Hund so mitläuft und einen überall hin begleitet", mache den Hund sozial verträglich.

Zwölf Unternehmen von Darmstadt bis in den Odenwald beteiligten sich an der Aktion und wurden als "tierfreundlicher Betrieb" ausgezeichnet. Die Urkunden verteilten Ute Heberer mit Hund Bibi-Morsberg und Tino-Kollege Helmut Heimberger. "Soviel Resonanz hatten wir nicht erwartet", freut sich Heimberger. Den Schnuppertag werde es auf jeden Fall wieder geben. Dann hofft man, mehr Betriebe zu gewinnen, in denen Hunde das erste Mal dabei sind. Wie beispielsweise Reporter-Hund Biene - erstmals auf Pressetermin - oder in der Gemeindeverwaltung Reichelsheim, wo Taiga Bürgermeister Gerd Lode (SPD) so gut gefiel, dass dieser glatt erlaubte, den Hund auch weiterhin mitzubringen.

Im Behindertenzentrum nutzt man den guten Einfluss des Hundes sogar therapeutisch. Neben Vicki und Rocky kommen seit viereinhalb Jahren regelmäßig stundenweise Therapiehunde in die Einrichtung. "Viele unserer Bewohner haben sich durch den Kontakt weiterentwickelt", sagt Sozialpädagogin Jennifer Haus. So habe ein 42-Jähriger, der nur mit Stützen gehen konnte, gelernt, alleine Therapiehund Beasy zu führen. Generell trage das Zusammensein mit Hunden zu psychischem und physischem Wohlbefinden bei, betont Jennifer Haus.

Weitere Infos im Internet:

www.tiere-in-not-odenwald.de

 

Erschienen Juli 2008 in "Frankfurter Rundschau"
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