Bienensterben
Umwelt

Während die Honigproduktion dank des guten Wetters auf Hochtouren läuft, fürchten die Imker um ihre Bienen und um die Artenvielfalt.

 

VON CLAUDIA HORKHEIMER

Biene (Quelle: C. Horkheimer)

Alltägliches vermisst man erst, wenn es nicht mehr da ist. Wie vielleicht irgendwann das Summen der Bienen? Derzeit grassiert in den USA und Europa ein massives Bienensterben. Hierzulande ist das Problem, oftmals ausgelöst durch Milbenbefall, zwar nicht so gravierend, erklärt Georg Schildge, Vorsitzender des Kreisimkervereins Darmstadt-Dieburg, Sorgen bereiten ihm die fleißigen Insekten aber doch.

Denn er sieht die künftige Versorgung der Bienen gefährdet. Derzeit können sich die hiesigen Imker über einen verfrühten Rekord bei der Honigproduktion freuen. „Die Honigräume sind jetzt schon voll“, so Schildge. „Das ist ein absolutes Phänomen“. Kein Wunder, denn dank des guten Wetters blüht praktisch alles zur selben Zeit. Flieder, Raps und Mohn. Gleichzeitig bedeute dies aber auch, dass die zweite Honigschleuderung wesentlich magerer ausfallen könnte. Denn die fleißigen Bienen finden dann vermutlich nicht mehr genügend zum Futtern.

 

Doch dieser bevorstehende Mangel wird nur zum Teil vom verrückten Wetter verursacht. Problematischer sind laut Schildge die intensive Bewirtschaftung der Äcker und Wiesen und das häufige Abmähen. Eine Blütenvielfalt, von der die Biene lebt, sei nicht mehr gegeben. Es fehlten blühende Ackerrandstreifen, Heckenzüge und vielseitig blühende Gärten.

Beim Amt für Natur- und Landschaftsschutz des Kreises Darmstadt-Dieburg sieht man die Mahd weniger kritisch. „Die Überdüngung durch die Landwirte und der Stickstoff, der durch die Luft in den Boden dringt, sind ein größeres Problem. Denn Stickstoff fördert schnelles Wachstum von Gräsern, schadet aber den langsamer wachsenden Kräutern und Wildblumen“, sagt Amtsleiter Wolfgang Heimer. Zwar gebe man immer wieder die Empfehlung an die Landwirte heraus, die Wegränder freiwillig nicht zu spritzen und zu düngen, doch werde dies selten befolgt und könne nicht kontrolliert werden, so Heimer.

Doch auch in Privatgärten finden sich immer weniger Bienentaugliche Pflanzen. Unter Koniferen, Fichten, Tannen und ordentlichen Rasenflächen finden Bienen – sowie andere nützliche Insekten - keine Nahrung. Dazu komme der massive Einsatz von Spritzmitteln, die auf den Quadratmeter gerechnet alles überstiegen, was Bauern einsetzten, moniert Schildge. Außerdem seien unsere Bienen „hoch gezüchtete Turbobienen“, die nicht mit Parasiten und Krankheiten umgehen können. Deshalb komme es immer wieder zum plötzlichen Sterben vieler Bienenvölker.

 

Die Imker an der Bergstraße warnen indes auch vor einem Artensterben unter den Wildbienen, da diese auf bestimmte Wildblumen spezialisiert seien, die immer seltener werden. „Unsere blühende Landschaft wird so nicht zu halten sein“, prophezeit Peter Lähn vom Imkerkreis Bergstraße. Denn die Honigproduktion ist nicht die Hauptaufgabe der Biene. Viel wichtiger ist ihre Bestäubungsarbeit. Deshalb müssten mehr Grünflächen, Wiesen und Felder unbewirtschaftet bleiben, meint Schildge.

 

Einige Bestrebungen zur Renaturierung von Grünflächen gibt es auch beim Darmstädter Umweltamt. So werden beispielsweise die so genannten Landgrafenwiesen - Rosenhöhe, Blütenwiese in Arheilgen, und Rosenbachwiese - in größeren Abständen gemäht, um dort Wildpflanzen eine Möglichkeit zur Ansiedlung zu geben, teilte Pressesprecherin Siegrid Dreiseitel auf Anfrage mit. Doch solche Bestrebungen gerieten auch manchmal in Konflikt mit den Bürgern. Beispielsweise sollte vor einigen Jahren der Herrngarten seltener gemäht werden, erzählt Dreiseitel. Doch hier habe es massive Bürgerbeschwerden gegeben. „Zurück-zur-Natur-Flächen“ setzen voraus, dass sich etwas ungestört entwickeln kann. „Da steht das Freizeitverhalten der Menschen im Wege“, so Dreiseitel.

 

Erschienen Mai 2007 in "Frankfurter Rundschau".
Alle Rechte vorbehalten. Verwendung, auch auszugsweise, nur mit vorheriger Gehmigung.

 
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