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Umwelt

Bei Pilotprojekten in Frankfurt und Darmstadt wird eine pauschale Warmmiete eingeführt

 

VON CLAUDIA HORKHEIMER

Was wäre, wenn Mieter keine Heizkosten- oder Wasserabrechnung mehr bekämen, nie mehr eine Nachzahlung fürchten müssten und die Debatte um die Kostenexplosion der Energiepreise sie kalt ließe? Genau das soll in zwei Pilotprojekten in Darmstadt-Kranichstein und in Frankfurt jetzt versucht werden.

Unter dem Begriff "Warmmietenmodell" plant das auf energieeffiziente Bauplanung spezialisierte Darmstädter Planungsbüro Faktor10 in Kranichstein den Bau von 44 Wohnungen in Passivbauweise und die Sanierung von 60 Wohneinheiten in Frankfurt. Das Neue daran: Die Mieter sollen künftig Nebenkosten für Heizung und Wasser nicht mehr gesondert zahlen, sondern integriert in der Miete. Eigentlich geht das nicht, denn die Heizkostenverordnung schreibt eine Abrechnung vor.

Ablesen wäre teurer

Allerdings gibt es eine Ausnahme: Nämlich dann, wenn die Einrichtung von Wärmemengenzählern, Wasseruhren und deren Ablesung teurer ist, als die eigentlichen Nebenkosten es sind. Das sei bei Passivhäusern der Fall, sagt Iris Behr vom Institut Wohnen und Umwelt (IWU). "Die Abrechnung kostet den Vermieter im Jahr etwa 100 Euro pro Wohnung. Bei monatlichen Heiz- und Wasserkosten von zehn bis zwanzig Euro ist die Erfassung nicht mehr sinnvoll." Diesen Umstand wollen IWU und Faktor10 als Vorreiter in der Region nun bekannt machen und damit den Bau von energieeffizienten Häusern oder die Sanierung von Altbauten vorantreiben. Der Vorteil sei neben der CO2-Einsparung, dass Vermieter und Mieter sich nie mehr um Abrechnung kümmern müssten.

Die städtische Wohnungsbaugesellschaft ABG Frankfurt Holding haben sie bereits davon überzeugt, dass sich die Investition lohnt. Sie will im Sommer Mietshäuser aus den 1950er Jahren in der Frankfurter Rotlintstraße sanieren und die Warmmiete - entsprechend dem Mietspiegel einführen.

Dagegen werden für das Bauvorhaben in der Kranichsteiner Borsdorffstraße noch Investoren gesucht. In zwei Wohnblöcken à vier Stockwerken sollen Zwei-, Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen entstehen. Der Baubeginn ist für Juni geplant.

10,50 Euro pro Quadratmeter

Eine Wohnung von 45 Quadratmetern soll etwa 96 000 Euro kosten. Die Warmmieten werden zwischen 9,50 und 10,50 pro Quadratmeter liegen. Damit liege die Miete laut Folkmer Rasch von Faktor10 in etwa gleich mit der Kaltmiete im konventionellen Bau. Also nicht nur für die Umwelt eine lohnenswerte Angelegenheit, sondern auch für die Mieter.

 

Erschienen Februar 2008 in "Frankfurter Rundschau".
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