FRANKFURTER RUNDSCHAU: Das bisschen Haushalt
Psychologie und Soziales

 

VON CLAUDIA KABEL

 

Es ist  7.39 Uhr – Birgit Steinmeier, Geschäftsführerin des Evangelischen Dorfhelferinnenwerks Niedersachsen,  hat gerade schon mehrere Einsätze vermittelt. In einem Fall ist eine Mutter ins Krankenhaus gekommen, weil sie sich die Hand gebrochen hat. Da sie zu Hause drei kleine Kinder versorgen muss, hat sie einen gesetzlichen Anspruch  auf eine von der Krankenkasse bezahlte Haushaltshilfe. In Niedersachsen, Bayern und Baden-Württemberg  übernehmen diese Aufgabe Dorfhelferinnen. Anderswo springen die Pflegedienste von Arbeiterwohlfahrt oder Caritas ein.

Voraussetzung für die vierzehnmonatige Ausbildung zur Dorfhelferin ist eine abgeschlossene   vierjährige Hauswirtschaftslehre und ein Jahr Berufserfahrung. „Der Haushalt muss fluppen. Eine Dorfhelferin muss nicht nur 30 verschiedene Waschmaschinentypen kennen“, sagt Steinmeier, die Dorfhelferinnen am Seminar in Loccum ausbildet, „sie muss sich genauso in Kommunikation, Kinderpsychologie, Trauerarbeit und Krisenbewältigung“ sicher sein. Eine von ihnen ist Carina Bolling. Die 24-Jährige ist seit fünf Wochen bei einer Bauernfamilie im Fechttal in Niedersachsen im Einsatz, weil sich  die Mutter das Schienbein gebrochen hat. Dort versorgt sie zwei Kinder und einen pflegebedürftigen Großvater. Gerade der häufige Wechsel ihrer Einsatzfamilien ist es, was sie an dem Beruf reizt. Wäsche waschen, putzen, Kinder betreuen – „Die Arbeit ist zwar immer die gleiche“, sagt sie, „aber die Situation ist jedes Mal eine andere“.

Dorfhelferinnen packen nicht nur in ländlichen  Großfamilien zu, sondern auch in  städtischen Kleinfamilien.  Sie müssen  genauso für Allergiker wie für Muslime  kochen können oder mit asthmatischen Kindern umgehen können. Manche Einsätze werden vom Jugendamt bestellt.  „Diesen Familien muss man erst klar machen, dass man helfen will“, sagt Bolling. Sie zeigt ihnen, wie man kocht oder die Kinder versorgt. Da ist es mitunter schwer nach dem achtstündigen Arbeitstag abzuschalten. Über Supervision lernen die Dorfhelferinnen mit dem Erlebten umzugehen, denn sie unterliegen der Schweigepflicht.


 

 

 

März 2012 für Frankfurter Rundschau.
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