FRANKFURTER RUNDSCHAU: Hessens erstes Erdwärmekraftwerk
Umwelt

Rund um die Uhr grenzenlos nutzbar
 
VON CLAUDIA HORKHEIMER

In der Tiefe brodelt es. Über 100 Grad heißes Wasser fließt unterirdisch mit enormen Druck durch das Gestein und wartet darauf vom Menschen genutzt zu werden. Das will der Main-Taunus-Kreis, gelegen am Rande einer tektonischen Verwerfung namens Oberrheingraben, jetzt tun. Geplant ist der Bau eines 40 Millionen Euro teuren Geothermie-Kraftwerks nach dem Vorbild der jüngst ans Netz gegangenen Anlage in Unterhaching bei München.

Es wäre in Hessen das erste Erdwärmekraftwerk zur Stromerzeugung. Bereits ab 2011 soll es jährlich 43 Millionen Kilowattstunden Strom ins öffentliche Netz einspeisen und sich damit bereits nach acht Jahren amortisieren. Das wäre eine Strommenge, wie sie 40.000 Menschen oder rund 14.000 Haushalte benötigen. "Wenn uns das gelingt, wäre der gesamte Main-Taunus-Kreis rein rechnerisch alleine aus regenerativen Energien versorgt", sagt Umweltdezernent und Erster Kreisbeigeordneter Hans-Jürgen Hielscher (FDP).

Derzeit erzeugt die kreiseigene Rhein-Main-Deponie (RMD) bereits 150 Millionen Kilowattstunden aus regenerativen Energien wie dem Biogaskraftwerk in Flörsheim-Wicker. Anders als Solar- oder Windenergie sei die Geothermie rund um die Uhr grenzenlos nutzbar, betont Hielscher.


Doch zunächst müssen seismische Untersuchungen Klarheit bringen, an welcher Stelle die ersten Probebohrungen gemacht werden können. Denn eine 1,20 Meter durchmessende Bohrung koste fünf bis sechs Millionen Euro, sagt Gerd Mehler, Geschäftsführer der federführenden RMD. Sehr wahrscheinlich ist indes, dass das Kraftwerk auf einem der zahlreichen RMD-Grundstücke zwischen Mainz und Flörsheim entstehen wird, weil dort die Beschaffenheit des Bodens den Zugang zur Sole ermöglicht.

Die noch bis Jahresende laufenden Bodenuntersuchungen sollen zudem das Risiko ausschalten, dass ähnlich wie im badischen Staufen eine Gipsschicht angebohrt wird und sich der Boden hebt, was dort zu massiven Schäden an mehr als einhundert Häusern führte.

Finanziert werden soll das Projekt laut Hielscher von einer Schweizer Investorengruppe, mit der man im Gespräch sei. Gelände und Know-how stellt die RMD und die Bodenrechte liegen bei der Überlandwerk Groß-Gerau, einer Tochter der Mainzer Stadtwerke
 

 

Erschienen Juli 2009 in "Frankfurter Rundschau"
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