NACHRICHTENAGENTUR DDP: Zehn Minuten Kontakt zu Envisat
Umwelt

Im Satelliten-Kontrollraum der ESA nehmen Mitarbeiter Kontakt zu den funkenden Flugobjekten auf

 

Von ddp-Korrespondentin Claudia Horkheimer

 

ESA-Satellit Envisat (Quelle: ESA)

Darmstadt (ddp-hes). 100 Minuten braucht Envisat für eine Runde um den Globus. 14-mal am Tag nimmt der Satellit für vier bis zwölf Minuten Kontakt zum Europäischen Raumflugkontrollzentrum ESOC (European Space Operations Centre) in Darmstadt auf. «Der nächste 'pass' steht für 15.50 Uhr an», sagt Spacecraft Operation Manager Frank-Jürgen Diekmann. Gerade haben die für die Satelliten Envisat und ERS zuständigen Teams ihre wöchentliche Besprechung. Wie jeden Mittwoch zwischen 15 und 16 Uhr sitzen die zwölf Männer, teilweise mit Notebooks vor sich, am ovalen Besprechungstisch im Kontrollraum und tauschen sich über Vorkommnisse der vergangenen Woche aus.

Dann endet das leise Murmeln, und die Männer nehmen ihre Plätze an den Monitoren ein, die in Hufeisenform einen Großteil des Raumes beanspruchen. An der Wand ein großer Bildschirm, der die Positionen der Satelliten zeigt. Envisat, der sich vor 20 Minuten noch über Australien befand, bewegt sich auf den Empfangsbereich der Bodenstation von Kiruna, der nördlichsten Stadt Schwedens, zu.

Dort betreibt die Europäische Weltraumorganisation ESA eine Bodenstation, deren Antenne die Daten der Satelliten auffängt und nach Darmstadt überträgt. «Wir haben jetzt nur zehn Minuten Zeit, um möglicherweise notwendige Korrekturen vorzunehmen», sagt Diekmann. Über Parameter wie Temperatur oder Neigungswinkel kontrollieren die Wissenschaftler die korrekte Flugbahn des acht Tonnen schweren Satelliten. Außerdem bedienen sie die Instrumente an Bord, die für mehr als 900 Forschungsprojekte benötigt werden.

Operator André Uhl bereitet gerade die letzten Kommandos für die Kontaktaufnahme zum weltgrößten Erdbeobachtungssatelliten vor. «Insgesamt 100 000 solcher Kommandos werden jeden Monat zu Envisat übertragen», sagt Diekmann. Umgekehrt sendet der seit 2002 geowissenschaftliche Daten mit einer Geschwindigkeit von 100 Megabits pro Sekunde an die Erde. Aus 800 Kilometern Höhe nimmt er Vulkanausbrüche, Stürme, Luftverschmutzung und sogar Phytoplankton ins Visier. Besonders wichtig sind die Daten zum Klimawandel. «Wenn man die Ausbreitung der Wüste betrachtet, macht man sich schon seine Sorgen», sagt Diekmann.

Mit Envisat wurde erstmals das dramatische Auseinanderbrechen der antarktischen Eisflächen analysiert. «Zusammen mit ERS, der Envisat in einem Abstand von einer halben Stunde folgt, können wir sogar die Bewegung von Gletschern messen», erläutert Diekmann.

Jetzt steht der Kontakt zu Envisat. Die Daten am Bildschirm bleiben unverändert. «Keine Vorkommnisse», sagt Diekmann. «Dieser Pass ist unspektakulär». Uhl setzt routiniert die Kommandos für die Justierung der Instrumente ab. Der Operator muss gleich einen Report über den Verlauf schreiben. Und dann ist es schon wieder Zeit, das Zusammentreffen mit dem nächsten Satelliten, ERS, vorzubereiten.


 

Claudia Horkheimer für ddp - Erschienen Janaur 2009. Alle Rechte vorbehalten. Verwendung, auch auszugsweise, nur mit vorheriger Gehmigung

 
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