Nachrichtenagentur ddp: "Tsa tsa tsa" - volle Fahrt voraus!
Umwelt

 

"Tsa tsa tsa" - volle Fahrt voraus!

"Ha!" und "Gee!" - am Wochenende wird es laut im Odenwald. Huskys und Malmutes rasen beim ersten Schlittenhunderennen der Saison rund um den Kottenberg. Da Schnee noch rar ist, stehen ihre antreibenden Musher auf Rollwagen.

Wald-Michelbach/Groß-Zimmern - Wenn die Temperaturen sinken, kann man es wieder hören: Das durchdringende Heulen von Schlittenhunden schallt durch den Wald. Es erinnert an Wölfe. Doch anders als ihre wilden Vorfahren sind die Siberian Huskys von Monika und Karl-Heinz Held als Zugtiere unterwegs.

 

Denn das Ehepaar hat ein für hiesige Breiten eher ungewöhnliches Hobby: Sie fahren Schlittenhundewagen. Seit zehn Jahren sind sie beim 53 Mitglieder starken Siberian Husky Club Odenwald mit Sitz in Groß-Zimmern (Landkreis Darmstadt-Dieburg) aktiv. Am Wochenende richtet der Verein das Internationale Schlittenhunde-Wagenrennen in Wald-Michelbach aus.

 

Gerade hat die neue Saison begonnen. Denn die nordische Hunderasse mit dem dicken Fell kommt erst bei Temperaturen unter 15 Grad Celsius richtig in Form. Die schwarz-weiße Husky-Dame Cheyenne führt das Vierergespann an. "Die kommen auf eine Geschwindigkeit von bis zu 30 km/h", sagt Monika Held. Mit den Kommandos "ha" und "gee" für links und rechts lenkt ihr Mann auf dem mit kleinen Gummirädern ausgestatteten Wagen stehend die Fahrt. Mit "tsa, tsa, tsa" und "line in" treibt er die Hunde an.

Als "Musher" (Schlittenhundeführer) muss er darauf achten, dass die Leinen immer gespannt sind und sich die Hunde beim Wenden auf den engen Wegen nicht verheddern. "Die Verletzungsgefahr ist dabei sehr groß", sagt der 52-Jährige. Brenzlig werde es, wenn Jogger oder Spaziergänger entgegenkämen. Denen müssen die Hunde ausweichen, ohne den Wagen in den Graben zu fahren. Deshalb trainiert das Ehepaar mit seinen acht Huskys am liebsten frühmorgens, wenn noch nicht viele Menschen unterwegs sind.

 

Bis zu 15 Kilometer um den Kottenberg

 

Ihre Ausdauer können die Hunde am Wochenende bei dem Rennen zeigen, das der Siberian Husky Club alle zwei Jahre veranstaltet. Erwartet werden 50 bis 60 Starter aus der ganzen Region. "Das Rennen ist einmalig in der Gegend", schwärmt Karl-Heinz Held. Da man immer weniger Schnee habe, werde allerdings vermehrt mit Rollwagen gefahren. Die gibt es in allen Größen vom Vierer- bis zum 15er-Gespann.

Beim diesjährigen Auftaktrennen der Saison werden Distanzen von sechs und 15 Kilometern rund um den Kottenberg bei Wald-Michelbach im Odenwald gefahren. Vor zwei Jahren seien 2000 Zuschauer gekommen, sagt Monika Held. In diesem Jahr gingen sogar die beiden Vizeweltmeister Christof Diehl und Angelika Merkel an den Start.

Im Husky-Rennsport gibt es Deutschland-, Europa- und Weltmeisterschaften. Dazu kommen Langstreckenrennen, wie die Trans Thuringia in Thüringen, die über 400 Kilometer geht und das längste Rennen mit reinrassigen Schlittenhunden in Mitteleuropa ist. "Im Dezember fahren wir zu einem Rennen im Schwarzwald. Dann aber mit Schlitten", freut sich die Musherin. Der Traum der 49-Jährigen ist es, einmal für mehrere Wochen mit den Hunden durch Schweden zu touren. Dafür bauen sie gerade ein neues Hundeteam auf.

 

Familienleben mit Husky

 

Ihre Neuzugänge Jiluk und Jill sind die ersten Hunde, die das Ehepaar vom Züchter gekauft hat. Sie sollen besonders schnell laufen. Alle anderen stammen aus Tierheimen, kommen teilweise sogar aus südlichen Gefilden wie Lanzarote und Teneriffa. Als das Ehepaar vor zehn Jahren seinen ersten Siberian Husky namens Beau aus dem Tierheim holte, war ihm nicht klar, welchen Bewegungsdrang das Tier haben würde. "Außerdem war er einsam. Es sind Rudeltiere", sagt Karl-Heinz Held. Deswegen nahm man einen zweiten Husky auf, dann einen dritten.

Mit acht Huskys hält die Familie noch vergleichsweise wenige Hunde. "Manch einer hat 50", sagt Monika Held. Diese würden dann jedoch in Zwingern und Gehegen untergebracht. "Mit unseren ist es ein richtiges Zusammenleben im Haus." Man bekomme so auch einen Einblick in das Rudelverhalten, das dem von Wölfen ähnlich sei.

Claudia Horkheimer, ddp

 

Claudia Horkheimer für ddp - Erschienen November 2008 auf "Spiegel online "
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